
Möbelton
Materialtransformation
Die Arbeiten bewegen sich im Spannungsfeld von Re-Use, Materialtransformation und funktionalem Design. Ausgangspunkt sind gebrauchte Möbelstücke, deren bestehende Struktur, Nutzungsspuren und konstruktive Logik bewusst in den Entwurfsprozess integriert werden. Durch gezielte Eingriffe – Ergänzen, Ersetzen oder Überformen einzelner Elemente – entstehen neue funktionale Zusammenhänge, ohne den ursprünglichen Charakter vollständig aufzulösen.
Beton übernimmt dabei eine zentrale Rolle als hybrides Material zwischen Konstruktion und Oberfläche. Seine hohe Druckfestigkeit, Formbarkeit im plastischen Zustand sowie die Möglichkeit, direkt in bestehende Strukturen eingebracht zu werden, ermöglichen präzise Anpassungen und strukturelle Erweiterungen. Gleichzeitig erzeugt die spezifische Materialität – Gewicht, Haptik, Oberflächenstruktur – einen deutlichen Kontrast zu Holz, Metall oder textilen Bestandteilen der Ausgangsobjekte.
Im gestalterischen Kontext entsteht eine Reduktion auf klare Formen und funktionale Prinzipien. Bestehende Möbel werden nicht dekorativ überarbeitet, sondern in ihrer Nutzung neu definiert. Funktionen können verschoben, erweitert oder bewusst eingeschränkt werden, wodurch sich neue Nutzungsweisen ergeben. Der Entwurf folgt dabei keiner standardisierten Typologie, sondern entwickelt sich aus den jeweiligen Gegebenheiten des Objekts und seiner konstruktiven Voraussetzungen.
Atmosphärisch erzeugen die Arbeiten eine Balance zwischen Rohheit und Präzision. Gebrauchsspuren bleiben teilweise sichtbar und werden durch die Ergänzungen nicht kaschiert, sondern in einen neuen Zusammenhang überführt. Der Einsatz von Beton verstärkt diesen Eindruck durch seine reduzierte, mineralische Erscheinung. Dadurch entstehen Objekte, die sowohl als funktionale Möbel als auch als eigenständige gestalterische Setzungen im Raum wirken.
Im weiteren Kontext lassen sich die Arbeiten im Bereich des nachhaltigen Designs und der Upcycling-Praxis verorten. Bestehende Ressourcen werden weiterverwendet und durch materialgerechte Eingriffe aufgewertet. Gleichzeitig erfolgt eine Auseinandersetzung mit der Lebensdauer von Objekten, deren Wandel und der Möglichkeit, Funktion und Bedeutung durch gezielte Transformation neu zu definieren.

