





Foto trifft auf Beton
Spiegelbilder der Zeit
An der Schnittstelle von Fotografie, Materialwissenschaft und Restaurierung entsteht ein ungewöhnliches Verfahren: Durch einen gezielten chemischen Prozess wird Fotografie während des Abbindeprozesses in den Beton eingelagert, sodass mein Motiv spiegelverkehrt in der Oberfläche erscheint. Der Beton wird damit nicht mehr nur Träger, sondern aktiver Bildträger, der Raster, Texturen und die Zeit der Aufnahme sichtbar macht. Zentral in meiner Forschung ist der Zuschlag, dessen Eigenschaften maßgeblich steuern, ob, wie deutlich und in welcher Farb- oder Graustufenführung das Bild erscheint. Die Spiegelverkehrtheit ergibt sich aus der Wechselwirkung von Orientierung, Lichtführung und Reaktionsrichtung im porösen System des Betons. Die Oberfläche wird zum integralen Bestandteil des Werks; Textur, Relief und Reflexionen tragen wesentlich zur Lesbarkeit des Motivs bei und erzeugen eine hybride Wahrnehmung von Fläche und Raum. Der Beton ist kein unbelebter Träger mehr, sondern ein lebendiger Bildträger, in dem Materialität und künstlerische Absicht eng verschränkt sind.
Schon in frühen experimentellen Ansätzen der Fotografie verbanden sich Belichtung, chemische Reaktionen und Materialprozesse zu unmittelbaren Veränderungen des Objekts. Beton, traditionell als starrer Träger industrieller Bauwerke verstanden, wird hier zu meinem Bildträger eigener Ordnung. Die Oberflächeneigenschaften – Porosität, Feuchtigkeit, der Verlauf des Abbindeprozesses – werden zu Teilen des visuellen Ergebnisses. Meine Restaurierungspraxis liefert eine methodische Perspektive auf Materialien, deren Alterung und Reaktion; sie dient mir als Quelle für Sorgfalt, Präzision und ein sensibles Verständnis von Spuren der Zeit. So entsteht eine künstlerische Praxis, die Wissen aus Materialkunde und fotografischer Recherche verknüpft.
Der zentrale Schritt ist der chemische Zuschlag, der im frischen Beton eine Reaktion auslöst, durch die mein Motiv dauerhaft in der Oberfläche verankert wird. Die Spiegelverkehrtheit ergibt sich aus der Wechselwirkung von Orientierung, Lichtführung und Reaktionsrichtung im porösen System des Betons. Der Zuschlag wird zum Schlüsselfaktor: Seine Wahl beeinflusst Farbigkeit, Tonalität, Textur und Tiefenwirkung. Die Oberfläche wird zum integralen Bestandteil des Werks; Textur, Relief und Reflexionen tragen wesentlich zur Lesbarkeit des Motivs bei und erzeugen eine hybride Wahrnehmung von Fläche und Raum. Der Beton ist kein unbelebter Träger mehr, sondern ein lebendiger Bildträger, in dem Materialität und künstlerische Absicht eng verschränkt sind.
Der Prozess beginnt im Jahr 2017 mit einzelnen Fotografien, doch zunehmend entstehen Collagen aus mehreren Bildern. Diese Schichtung erzeugt Zeiten, Perspektiven und Materialitäten, die ein vielschichtiges Seherlebnis ermöglichen. Jede Schicht fungiert als Gedächtnis des Verfahrens: Sie speichert einen Moment der Reaktion, den Stand des Abbindeprozesses und spätere Ergebnisse. Die Collage wird damit zu einer Gedächtnisform, in der frühere Zustände mit späteren Resultaten verschmelzen. Die Verschmelzung von Momentaufnahme und Materialentwicklung erzeugt eine vertikale Zeitachse, in der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft des Bildes zugleich sichtbar werden.
Der Kreis schließt sich. Das Studium bei Wolfgang Tillmans als Startschuss mit der Fotografie sowie die Restaurierungspraxis dient mir als Impulsgeber und liefert ein sensibles Verständnis für Materialien, Reaktionen und Konservierungsstrategien. Ich werde zum Forscher, der Hypothesen prüft, Beobachtungen bewertet und Validität innerhalb des Materials sucht. So wird das Bild zum Prozess: Nicht mehr nur Endprodukt, sondern Ergebnis eines dialogischen Verfahrens, das fotografische Produktion, chemische Reaktion und betontechnische Ästhetik zu einer einheitlichen Bildlogik vereint.
Die Spiegelverkehrtheit fordert den Betrachter dazu auf, Reproduktion, Originalität und Rezeption neu zu verhandeln. Das Werk stellt Fragen nach Transparenz, Authentizität und den veränderbaren Spuren des Materials. Gleichzeitig verweben sich Zeit, Oberflächenstruktur und Lichtführung zu einer sinnlichen Erfahrung, in der das Abbild nicht nur gesehen, sondern tastbar, fühlbar und erfahrbar wird.