
Betonskizzen und Käse
Miniaturen
Die Betonskizzen entstehen in Camembert-Schachteln, die als kleine Versuchsräume für Material und Oberfläche dienen. Ausgangspunkt dieser Werkgruppe war eine praktische Situation: Aufgrund des Gewichts der Arbeiten sollten Skulpturen nicht zu einer Messe nach New York transportiert werden. Daraus entstand die Idee, große Arbeiten im kleinen Format weiterzudenken.
Die runden Schachteln werden zu kompakten Bild- und Experimentierfeldern. In ihnen entstehen Studien zu Betonoberflächen, Falten, Brüchen und räumlichen Situationen. Jede Schachtel funktioniert wie eine Materialskizze, in der ein formaler Gedanke erstmals sichtbar wird.
Kunsthistorisch lässt sich diese Arbeitsweise mit der Tradition des Modells und der Skizze verbinden. Seit der Renaissance nutzten Bildhauer kleine Ton- oder Wachsentwürfe – sogenannte Bozzetti – um Ideen für größere Werke zu entwickeln. Auch in der modernen Kunst bleibt das Experiment im kleinen Maßstab ein wichtiger Bestandteil des künstlerischen Prozesses.
Die Betonskizzen greifen diese Tradition auf, verschieben sie jedoch in ein alltägliches Gefäß. Die Camembert-Schachtel – ein einfaches Verpackungsobjekt – wird zum Rahmen für ein Material, das gewöhnlich mit Architektur, Gewicht und Dauerhaftigkeit verbunden ist.
Im kleinen Format verliert Beton seine Monumentalität und wird zu einem Medium des unmittelbaren Experimentierens. So entstehen zahlreiche kleine Arbeiten, die weniger Miniaturen fertiger Skulpturen sind als vielmehr räumliche Notizen – Verdichtungen von Ideen zu Form, Oberfläche und Material.


