


Beton möchte Skulptur
zwischen Gewicht und Illusion
Ein zentrales Motiv bildet der Vorhang aus Beton, dessen Faltenwurf auf einem kleinen Podest im Raum ruht. Die Form erinnert an einen weichen, beweglichen Stoff, doch das Material widerspricht dieser Erwartung. Der Moment des Fallens, der normalerweise Bewegung und Leichtigkeit beschreibt, wird im Beton dauerhaft fixiert. Es entsteht eine Spannung zwischen Gewicht und scheinbarer Leichtigkeit, zwischen Bewegung und Erstarrung.
Auch in anderen Arbeiten wird Beton an seine materiellen und visuellen Grenzen geführt. Glühbirnen aus Beton greifen ein Objekt auf, das üblicherweise für Licht, Transparenz und Fragilität steht. In Beton gegossen verlieren sie ihre ursprüngliche Funktion und erscheinen als stille Körper, die das Verhältnis von Material, Form und Bedeutung neu verhandeln.
Die Serie der Kissen in fünf Blautönen beschäftigt sich ebenfalls mit Fragen von Wahrnehmung und Transformation. Die Formen erinnern an weiche textile Objekte, während die Farbskala von einem intensiven Blau zu immer helleren Tönen übergeht. Der allmähliche Übergang erzeugt eine ruhige, beinahe meditative Bewegung innerhalb der Reihe.
Den Arbeiten gemeinsam ist das Interesse an der Verschiebung von Materialerwartungen. Beton erscheint hier nicht allein als Baustoff, sondern als skulpturales Medium, das zwischen Schwere und Leichtigkeit, Funktion und Objekt, Realität und Illusion vermitteln kann. In diesem Spannungsfeld entstehen Formen, die vertraut wirken und zugleich die Wahrnehmung ihrer eigenen Materialität infrage stellen.